Schwalben im Spätsommer: Was ihr Verhalten über Wetter und Jahreszeit verrät

Wenn sich Ende des Sommers plötzlich immer mehr Schwalben auf Leitungen, Dächern oder an Gebäuden versammeln, ist das kein Zufall. Ihr Verhalten gehört zu den auffälligsten Naturzeichen des Spätsommers.

Gleichzeitig hält sich bis heute eine alte Beobachtung: Fliegen die Schwalben tief, kommt Regen. Ganz so einfach ist es zwar nicht – doch hinter dieser Bauernregel steckt tatsächlich ein nachvollziehbarer Zusammenhang.

Schwalben sammeln sich im Spätsommer auf einer Leitung und fliegen über einer Wiese, während das Maskottchen sie beobachtet.

Schnellübersicht

  • Sammeln auf Leitungen: häufig ein Zeichen für den bevorstehenden Vogelzug
  • Tiefer Flug: Schwalben folgen ihrer Beute, die sich bei bestimmter Witterung näher am Boden aufhalten kann
  • Große Gruppen: im Spätsommer besonders häufig zu beobachten
  • Wetterzeichen: tiefer Schwalbenflug kann auf veränderte Wetterbedingungen hindeuten, ist aber keine sichere Vorhersage
  • Besonders auffällig: im Spätsommer und frühen Herbst

Warum sammeln sich Schwalben im Spätsommer?

Rauch- und Mehlschwalben gehören zu den Zugvögeln. Sie verbringen den Winter überwiegend südlich der Sahara und verlassen Mitteleuropa deshalb im Spätsommer und Herbst.

Vor ihrem Abflug sieht man häufig größere Gruppen auf Stromleitungen, Dächern oder freien Flächen. Die Tiere nutzen diese Zeit intensiv zur Nahrungssuche und sammeln sich zunehmend in größeren Gruppen, bevor sie sich auf ihre lange Reise Richtung Süden machen.

Die ersten größeren Ansammlungen können bereits im August auffallen. Der Hauptzug vieler Schwalben findet im September statt, einzelne Tiere können jedoch noch später beobachtet werden.

Wer jetzt aufmerksam nach oben schaut, kann den Wechsel der Jahreszeit deshalb regelrecht beobachten.

Warum fliegen Schwalben manchmal besonders tief?

Schwalben ernähren sich hauptsächlich von fliegenden Insekten. Deshalb folgen sie bei der Jagd dorthin, wo sich ihre Beute befindet.

Bei feuchter oder wechselhafter Witterung können sich viele kleine Fluginsekten häufiger näher am Boden aufhalten. Die Schwalben folgen ihnen und wirken dadurch plötzlich ungewöhnlich tief fliegend.

Das bedeutet allerdings nicht, dass eine einzelne tief fliegende Schwalbe zuverlässig Regen ankündigt. Interessanter ist das Verhalten vieler Tiere über einen längeren Zeitraum.

Stimmt die Bauernregel „Fliegen die Schwalben tief, gibt es Regen“?

Die alte Beobachtung hat einen realen Hintergrund, ist aber keine sichere Wettervorhersage.

Nicht die Schwalben reagieren direkt auf kommenden Regen. Vielmehr verändert sich unter bestimmten Wetterbedingungen das Verhalten ihrer Beutetiere.

Sind viele Insekten in Bodennähe unterwegs, jagen auch die Schwalben tiefer.

Deshalb kann auffällig niedriger Schwalbenflug ein Hinweis auf veränderte Wetterbedingungen sein – garantiert Regen bedeutet er jedoch nicht.

Infografik zum Verhalten von Schwalben im Spätsommer mit Sammeln auf Leitungen, tiefem Flug, großen Gruppen und Wetterwechseln.

Was verraten große Schwalbengruppen?

Wenn sich im Spätsommer viele Schwalben gemeinsam sammeln, ist das vor allem ein Zeichen für den bevorstehenden Vogelzug.

Besonders auffällig sind:

  • größere Gruppen auf Leitungen oder Dächern
  • viele gleichzeitig jagende Schwalben
  • zunehmende Ansammlungen an gemeinsamen Ruhe- und Schlafplätzen
  • später im Herbst plötzlich deutlich weniger Tiere

Diese Veränderungen lassen sich jedes Jahr beobachten und machen Schwalben zu guten Zeigern für den Wechsel der Jahreszeiten.

Rauchschwalbe und Mehlschwalbe unterscheiden

Auch ohne große Vogelkenntnisse lassen sich die beiden häufigsten Schwalbenarten oft auseinanderhalten.

Rauchschwalben besitzen lange, deutlich gegabelte Schwanzspieße und eine rötlich gefärbte Kehle. Sie brüten häufig in offenen Ställen, Scheunen oder anderen Gebäuden.

Mehlschwalben wirken etwas kompakter. Auffällig ist besonders ihr weißer Bürzel. Ihre geschlossenen Lehmnester findet man häufig außen unter Dachvorsprüngen.

Beide Arten können im Spätsommer größere Gruppen bilden.

Infografik mit den wichtigsten Unterschieden zwischen Rauchschwalbe und Mehlschwalbe wie Schwanzspießen, Kehle und weißem Bürzel.

Jetzt selbst beobachten

Gerade Ende August und im September lohnt es sich, Schwalben einige Tage lang bewusst zu beobachten.

Achte dabei besonders auf diese Punkte:

Wo fliegen die Tiere?
Hoch über den Häusern oder ungewöhnlich dicht über Wiesen und Feldern?

Wie viele sind unterwegs?
Einzelne Tiere oder größere Gruppen?

Sitzen Schwalben auf Leitungen?
Solche Ansammlungen werden vor dem Vogelzug häufiger sichtbar.

Wie verändert sich das Wetter danach?
So kannst du selbst beobachten, ob sich alte Naturbeobachtungen in deiner Region wiederholen.

Fazit

Schwalben können das Wetter nicht zuverlässig vorhersagen. Ihr Verhalten reagiert jedoch auf Veränderungen in ihrer Umgebung – insbesondere auf das Vorkommen und die Flughöhe ihrer Beutetiere.

Noch deutlicher verraten sie etwas anderes: den Verlauf der Jahreszeit.

Wenn sich im Spätsommer große Gruppen sammeln und nach und nach verschwinden, beginnt für die Schwalben ihre lange Reise Richtung Süden. Für uns ist das eines der sichtbarsten Zeichen dafür, dass der Sommer langsam in den Herbst übergeht.

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