Dillsamen ernten: So gewinnst du eigenes Saatgut

Kaum sind die gelben Dillblüten verblüht, beginnt im Spätsommer die Samenreife. Aus den trocknenden Dolden kannst du eigenes Saatgut für das kommende Frühjahr gewinnen. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt: Werden die Dolden zu früh abgeschnitten, sind die Samen möglicherweise noch nicht ausgereift. Wartest du zu lange, fallen sie bei Wind oder einer leichten Berührung bereits ins Beet.

Selbstversorger erntet reife Dillsamen direkt von der Pflanze und fängt sie in einer Papiertüte auf

Schnellübersicht

  • Erntezeit: meist von August bis September
  • Reifezeichen: Die Samen sind trocken, fest und hellbraun bis graubraun
  • Zeitaufwand: etwa 15 bis 20 Minuten zuzüglich der Trocknungszeit
  • Schwierigkeit: einfach und für Anfänger geeignet
  • Erntemethode: Papiertüte über die Dolde stülpen und den Stängel darunter abschneiden
  • Wichtig: Für möglichst sortenechtes Saatgut eignen sich samenfeste Dillsorten am besten

Wann sind Dillsamen erntereif?

Ob Dillsamen reif sind, erkennst du vor allem an ihrer Farbe und Festigkeit. Solange sie noch grün oder gelblich grün aussehen und sich weich anfühlen, sollten sie an der Pflanze bleiben.

Mit zunehmender Reife verfärben sich die Samen hellbraun bis graubraun. Gleichzeitig trocknen die Dolden ein und verlieren ihre gelbe Farbe. Je nach Aussaatzeitpunkt, Standort und Witterung beginnt die Samenreife häufig im August. Später ausgesäter Dill kann jedoch erst im September erntereif werden.

Reibe eine Dolde vorsichtig zwischen den Fingern. Lösen sich die Samen leicht, ist der richtige Erntezeitpunkt gekommen. Sitzen sie noch fest oder fühlen sie sich weich an, solltest du noch einige Tage warten.

Praxistipp: Kontrolliere die Dolden während der Reifezeit regelmäßig. Vollständig trockene Dillsamen lösen sich sehr leicht und können bereits durch Wind oder Regen verloren gehen.

Das wusste ich nicht: Dillblüten durchlaufen zwei aufeinanderfolgende Phasen: Zunächst geben sie Pollen ab, später wird die Narbe empfänglich. Diese sogenannte Proterandrie erschwert die Selbstbestäubung innerhalb derselben Blüte und begünstigt die Bestäubung durch Insekten.

Welche Dillpflanzen eignen sich für die Saatgutgewinnung?

Gewinne das Saatgut bevorzugt von gesunden und kräftigen Pflanzen. Dillpflanzen, die sichtbar krank, stark geschwächt oder ungewöhnlich kümmerlich geblieben sind, eignen sich weniger gut.

Für eine möglichst zuverlässige Weitervermehrung sind samenfeste Sorten ideal. Bei ihnen ähneln die Nachkommen bei geeigneter Bestäubung normalerweise weitgehend den ursprünglichen Pflanzen.

Auch von einer F1-Hybride können keimfähige Samen gewonnen werden. Die daraus wachsenden Pflanzen müssen jedoch nicht dieselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze besitzen. Aroma, Wuchs und Ertrag können sich in der nächsten Generation unterscheiden.

Hinweis: Ob es sich um eine F1-Hybride handelt, steht meist auf der ursprünglichen Saatgutverpackung. Wer Dill möglichst sortenecht weitervermehren möchte, sollte beim Kauf auf den Hinweis „samenfest“ achten.

Können sich verschiedene Dillsorten miteinander kreuzen?

Dill wird unter anderem von Insekten bestäubt. Blühen mehrere Dillsorten gleichzeitig in räumlicher Nähe, können sie sich miteinander verkreuzen. Die geernteten Samen bleiben grundsätzlich keimfähig, die Nachkommen können jedoch andere Eigenschaften zeigen.

Für möglichst sortenechtes Saatgut solltest du deshalb nur eine Dillsorte zur Blüte kommen lassen. Alternativ kannst du die Sorten zeitlich versetzt aussäen, sodass sich ihre Blütezeiten möglichst wenig überschneiden.

Fenchel, Petersilie und andere Doldenblütler kreuzen sich nicht einfach mit Dill. Entscheidend ist die gleichzeitige Blüte verschiedener Dillsorten.

Dillsamen ernten: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Reife Dillsamen sitzen nur noch locker an den trockenen Dolden. Bei der Ernte solltest du deshalb möglichst vorsichtig vorgehen.

Infografik mit fünf Schritten zum Ernten, Trocknen, Reinigen und Lagern von Dillsamen

Einzelne noch leicht grünliche Samen können während des Nachtrocknens weiter ausreifen. Vollständig grüne und weiche Dolden sollten dagegen noch an der Pflanze bleiben.

Kein Plastik verwenden: In einer Plastiktüte kann sich Feuchtigkeit sammeln. Dadurch steigt das Risiko, dass die Dolden und Samen schimmeln. Eine Papiertüte ermöglicht einen besseren Luftaustausch.

Größere Mengen Dill ernten

Bei einem größeren Dillbestand musst du nicht jede Dolde einzeln abschneiden. Du kannst mehrere reife Stängel bodennah abschneiden, locker bündeln und kopfüber zum Nachtrocknen aufhängen.

Stülpe eine große Papiertüte über die Dolden oder lege ein sauberes Tuch beziehungsweise eine Schüssel darunter. So werden die Samen aufgefangen, die sich während des Trocknens lösen.

Die Pflanze mitsamt der Wurzel herauszuziehen, ist nicht notwendig. Die Wurzel verbessert die Nachreife nicht und kann zusätzlich Erde an das Erntegut bringen.

Wie lange müssen Dillsamen trocknen?

Die abgeschnittenen Dolden benötigen meist etwa ein bis zwei Wochen zum Nachtrocknen. Die tatsächliche Dauer hängt davon ab, wie viel Feuchtigkeit sie bei der Ernte noch enthalten und wie trocken der Trocknungsort ist.

Geeignet ist ein schattiger und gut belüfteter Platz, beispielsweise ein Gartenhaus, ein luftiger Abstellraum oder ein geschützter Dachboden. Direkte Sonne und feuchte Kellerräume sind weniger geeignet.

Die Samen sind ausreichend trocken, wenn sie sich hart anfühlen, rascheln und sich leicht von den Dolden lösen. Vor dem Abfüllen in ein verschlossenes Glas müssen sie vollständig durchgetrocknet sein.

Dillsamen von Pflanzenresten trennen

Nach dem Trocknen enthält die Papiertüte meistens neben den Samen auch kleine Stängelstücke, trockene Blütenhüllen und weitere Pflanzenreste.

  • Schüttle oder reibe die trockenen Dolden vorsichtig innerhalb der Papiertüte aus.
  • Entferne größere Stängel und Doldenreste von Hand.
  • Gib das Erntegut durch ein passendes Sieb.
  • Lasse das Gemisch aus Samen und feiner Spreu vorsichtig in einen leichten Luftzug rieseln.

Die leichten Pflanzenreste werden vom Luftzug fortgetragen, während die schwereren Samen nach unten fallen. Alternativ kannst du vorsichtig über eine flache Schüssel pusten. Beginne mit wenig Luft, damit die Samen nicht ebenfalls weggeblasen werden.

Ein geringer Anteil feiner Pflanzenreste beeinträchtigt die spätere Aussaat normalerweise nicht. Größere Mengen Spreu können jedoch Feuchtigkeit binden und sollten möglichst entfernt werden.

Dillsamen richtig lagern

Vor der Lagerung müssen die Samen vollständig trocken sein. Bereits geringe Restfeuchtigkeit kann in einem verschlossenen Behälter zu Schimmel führen.

LagerfaktorEmpfehlung
BehälterBeschriftete Saatguttüte oder dicht schließendes Glas
LagerortKühl, dunkel und trocken
BeschriftungSorte und Erntejahr notieren
VerwendungMöglichst in der folgenden oder übernächsten Saison aussäen

Ein trockener Schrank oder eine Schublade in einem kühlen Raum ist häufig besser geeignet als ein Keller. Viele Kellerräume besitzen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, obwohl sie sich kühl anfühlen.

Praxistipp: Kontrolliere ein frisch befülltes Glas in den ersten Tagen regelmäßig. Beschlägt es von innen, müssen die Samen sofort herausgenommen und weitergetrocknet werden.

Wie lange bleiben Dillsamen keimfähig?

Gut ausgereifte und richtig gelagerte Dillsamen können auch nach mehr als einer Gartensaison noch keimen. Wie lange die Keimfähigkeit erhalten bleibt, hängt jedoch von der Samenqualität und den Lagerbedingungen ab.

Für möglichst zuverlässige Ergebnisse solltest du das Saatgut bevorzugt im folgenden Frühjahr oder innerhalb der nächsten beiden Anbausaisons verwenden. Bei älteren Samen kannst du vor der Aussaat einen einfachen Keimtest durchführen.

Keimtest mit Dillsamen durchführen

  1. Lege zehn Dillsamen auf ein angefeuchtetes Küchenpapier.
  2. Falte das Papier vorsichtig zusammen.
  3. Lege es in eine Dose oder einen nur locker verschlossenen Beutel.
  4. Bewahre es an einem warmen Ort ohne direkte Mittagssonne auf.
  5. Halte das Papier gleichmäßig feucht, aber nicht nass.
  6. Kontrolliere innerhalb der folgenden 7 bis 14 Tage, wie viele Samen keimen.

Keimen beispielsweise sieben von zehn Samen, liegt die Keimrate bei ungefähr 70 Prozent. In diesem Fall kannst du bei der späteren Aussaat etwas dichter säen. Keimt kaum ein Samen, ist frisches Saatgut meist die bessere Wahl.

Dillsamen als Saatgut oder Gewürz verwenden

Vollständig ausgereifte und sauber getrocknete Dillsamen können nicht nur für die nächste Aussaat aufbewahrt werden. Sie lassen sich auch als Gewürz verwenden und passen beispielsweise zu eingelegten Gurken, Brot, Kartoffelgerichten und Marinaden.

Für die Küche solltest du ausschließlich Samen von gesunden Pflanzen verwenden, die nicht mit ungeeigneten Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Schimmelige, verfärbte oder unangenehm riechende Samen gehören nicht in die Küche und sollten auch nicht ausgesät werden.

Bewahre Saatgut und Gewürzsamen am besten getrennt auf und beschrifte beide Behälter eindeutig.

Was du im August noch aussäen kannst: Während beim Dill bereits die Samenreife beginnt, ist die Gartensaison noch längst nicht vorbei. Einige Gemüsearten können jetzt noch direkt ins Beet. Welche sich eignen und worauf du bei der späten Aussaat achten solltest, erfährst du in meinem Ratgeber Aussaat im August: Dieses Gemüse kannst du jetzt noch säen.

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Häufige Fragen zur Ernte von Dillsamen

Wann kann man Dillsamen ernten?

Dillsamen werden meist im August oder September reif. Erntereif sind sie, wenn sie trocken, fest sowie hellbraun bis graubraun gefärbt sind.

Kann man noch grüne Dillsamen ernten?

Vollständig grüne und weiche Samen sollten möglichst an der Pflanze bleiben. Sind die meisten Samen bereits braun und nur einzelne noch leicht grünlich, können diese während des Nachtrocknens häufig noch nachreifen.

Muss man Dillsamen vor der Lagerung trocknen?

Ja. Vor allem bei der Aufbewahrung in Gläsern sollten Dillsamen vollständig durchgetrocknet sein. Restfeuchtigkeit kann Schimmelbildung begünstigen und die Haltbarkeit deutlich verkürzen.

Kann man selbst geerntete Dillsamen wieder aussäen?

Ja. Saatgut von gesunden, samenfesten Sorten eignet sich gut für die Aussaat im nächsten Jahr. Bei F1-Hybriden können die Nachkommen jedoch andere Eigenschaften als die Mutterpflanze aufweisen.

Kann man Dillsamen auch als Gewürz verwenden?

Ja. Vollständig ausgereifte und sorgfältig getrocknete Dillsamen eignen sich hervorragend zum Einlegen von Gurken sowie zum Würzen verschiedener Speisen.

Fazit

Dillsamen zu ernten ist eine einfache Möglichkeit, eigenes Saatgut für die kommende Gartensaison zu gewinnen. Entscheidend sind reife, braune Dolden, eine vorsichtige Ernte und ausreichend Zeit zum Nachtrocknen.

Wer die Samen anschließend von groben Pflanzenresten befreit und kühl, dunkel sowie trocken lagert, kann im nächsten Frühjahr wieder eigenen Dill aussäen. Für eine möglichst sortenechte Weitervermehrung eignet sich eine samenfeste Sorte. Gleichzeitig blühende Dillsorten können sich durch Insektenbestäubung miteinander verkreuzen.

Hinweis: Angaben zu Erntezeit, Lagerdauer und Keimfähigkeit sind allgemeine Erfahrungswerte. Der tatsächliche Zeitpunkt und der spätere Keimerfolg hängen unter anderem von Sorte, Aussaatzeit, Witterung, Reifegrad und Lagerbedingungen ab.

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