Schisandra (Wu Wei Zi): Anbauen, ernten und verwenden

Schisandra gehört zu den Pflanzen, die im Garten zunächst eher unscheinbar wirken. Eine kräftige Kletterpflanze, grüne Blätter, kleine helle Blüten und im Spätsommer hängen plötzlich leuchtend rote Beerentrauben zwischen dem Laub.

Die Schisandra (Schisandra chinensis) wird auch Wu Wei Zi oder Beere der fünf Geschmäcker genannt. Sie stammt ursprünglich aus Ostasien und lässt sich auch bei uns anbauen. Für den Selbstversorgergarten ist sie besonders spannend, weil sie gleich mehrere Funktionen verbindet: Sie begrünt Rankgerüste, liefert eigene Früchte und lässt sich nach der Ernte trocknen oder weiterverarbeiten.

Schisandra mit roten Wu-Wei-Zi-Beeren am Rankgerüst im Selbstversorgergarten
Schnellübersicht

🌿 Pflanze: Schisandra chinensis
📍 Standort: sonnig bis halbschattig, möglichst geschützt
🌱 Boden: humos, nährstoffreich und gleichmäßig feucht
🪴 Wuchs: mehrjährige, verholzende Kletterpflanze
🧱 Rankhilfe: erforderlich
🌸 Blüte: spätes Frühjahr bis Frühsommer
🔴 Früchte: rote Beeren in länglichen Trauben
❄️ Winter: winterhart, junge Pflanzen in den ersten Jahren etwas schützen

Was ist Schisandra?

Schisandra chinensis ist eine sommergrüne, verholzende Kletterpflanze aus der Familie der Schisandraceae. Ihre langen Triebe winden sich an Rankhilfen nach oben.

Ausgewachsene Pflanzen können mehrere Meter hoch werden. Im Garten lässt sich Schisandra durch Rankhilfe und Schnitt aber gut führen.

Besonders auffällig sind die roten Früchte. Sie hängen später wie kleine Beerentrauben zwischen dem Laub und machen die Pflanze auch optisch interessant.

Wow-Fakt:

Der chinesische Name „Wu Wei Zi“ wird häufig mit „Frucht der fünf Geschmäcker“ übersetzt. Die Beeren werden traditionell mit mehreren Geschmacksrichtungen gleichzeitig in Verbindung gebracht – darunter sauer, süß, bitter, scharf und salzig.

Ist Schisandra in Deutschland winterhart?

Grundsätzlich ja.

Schisandra gilt als winterhart und kann an geeigneten Standorten dauerhaft im Freiland wachsen. Junge Pflanzen sollten in den ersten Wintern trotzdem etwas geschützt werden. Eine Mulchschicht aus Laub oder anderem organischen Material hält den Wurzelbereich gleichmäßiger und schützt vor starken Temperaturschwankungen.

Ein geschützter Standort ist besonders in Gegenden mit kalten, austrocknenden Winterwinden von Vorteil.

Der richtige Standort

Schisandra mag einen humosen, nährstoffreichen und gleichmäßig feuchten Boden. Staunässe sollte trotzdem vermieden werden.

Ideal ist ein Platz in der Sonne oder im Halbschatten. Besonders gut eignet sich die Pflanze an einer Pergola, einem stabilen Rankgerüst oder einem Spalier.

In voller Sonne sollte der Boden nicht dauerhaft austrocknen. Halbschatten kann deshalb gerade an trockeneren Standorten sogar von Vorteil sein.

Besonders gut eignet sich Schisandra an einer Pergola oder einem stabilen Spalier. Wenn du dafür eine dauerhafte Konstruktion bauen möchtest, findest du in meiner Anleitung zum Rankgerüst selber bauen die wichtigsten Grundlagen.

Infografik zum Schisandra-Anbau mit Standort, Boden, Pflanzung, Rankhilfe, Gießen und Pflege

Schisandra pflanzen

Pflanzen kannst du Schisandra am besten im Frühjahr oder Herbst, solange der Boden frostfrei ist.

Das Pflanzloch sollte ausreichend groß sein und der Boden darunter gut gelockert werden. Etwas reifer Kompost verbessert humusarme Erde. Anschließend wird die Pflanze etwa so tief eingesetzt, wie sie zuvor im Topf stand, gründlich angegossen und idealerweise gemulcht.

Gerade in den ersten Jahren sollte der Boden nicht über längere Zeit vollständig austrocknen.

Eine stabile Rankhilfe ist wichtig

Schisandra hält sich nicht selbst aufrecht. Ihre langen Triebe benötigen etwas, an dem sie sich emporwinden können.

Geeignet sind beispielsweise:

  • Pergolen
  • Holzgerüste
  • Rankgitter
  • gespannte Edelstahlseile
  • stabile Drahtsysteme

Junge Triebe kannst du zunächst vorsichtig an die Rankhilfe führen und locker anbinden.

Wer ohnehin ein Rankgerüst für Kiwi, Wein oder andere Kletterpflanzen plant, kann Schisandra dort gut integrieren.

Braucht man zwei Schisandra-Pflanzen?

Das hängt von der Pflanze beziehungsweise Sorte ab.

Bei Schisandra können männliche und weibliche Blüten auf unterschiedlichen Pflanzen vorkommen. Im Handel gibt es jedoch auch Sorten, die als selbstfruchtbar angeboten werden.

Wenn dir eine gute Beerenernte wichtig ist, würde ich deshalb beim Kauf genau auf die Sortenbeschreibung achten.

Tipp

Achte beim Kauf ausdrücklich darauf, ob die ausgewählte Schisandra-Sorte selbstfruchtbar ist oder einen passenden Bestäubungspartner benötigt.

Schisandra richtig pflegen

Hat sich die Pflanze einmal etabliert, ist der Pflegeaufwand überschaubar.

Während längerer Trockenperioden solltest du regelmäßig gießen. Eine Mulchschicht hilft dabei, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten.

Im Frühjahr reicht bei gutem Gartenboden meist etwas reifer Kompost.

Beim Schnitt genügt es häufig, abgestorbene, beschädigte oder ungünstig wachsende Triebe zu entfernen. Ein starker jährlicher Rückschnitt ist normalerweise nicht notwendig.

Von der Blüte bis zur roten Beere

Die kleinen cremeweißen bis leicht rosafarbenen Blüten erscheinen meist im späten Frühjahr bis frühen Sommer.

Nach erfolgreicher Bestäubung entwickeln sich daraus nach und nach längliche Fruchtstände.

Anfangs sind sie noch grün und kaum auffällig. Im Laufe des Sommers färben sich die Früchte immer stärker.

Und irgendwann hängen zwischen dem Grün plötzlich ganze Trauben leuchtend roter Beeren.

Gerade diese Veränderung macht Schisandra im Garten besonders schön: Im Frühjahr wirkt sie fast zurückhaltend, im Spätsommer wird sie zum Blickfang.

Infografik zur Entwicklung der Schisandra von der Blüte über grüne Beeren bis zur Ernte

Wann ist Schisandra erntereif?

Die genaue Erntezeit hängt von Standort, Sorte und Witterung ab.

Die Beeren sind reif, wenn sie vollständig rot gefärbt sind und deutlich weicher geworden sind.

Am einfachsten schneidest du die ganzen Fruchtstände vorsichtig ab. Beschädigte oder verdorbene Früchte solltest du direkt aussortieren.

Wie schmecken Schisandra-Beeren?

Der Geschmack ist deutlich ungewöhnlicher als bei klassischen Gartenbeeren.

Schisandra schmeckt vor allem säuerlich und herb, daneben können weitere Geschmacksnoten wahrgenommen werden.

Zum direkten Naschen sind die Früchte deshalb nicht für jeden geeignet. Spannender werden sie häufig in kleinen Mengen verarbeitet.

Schisandra verwenden

Die Beeren lassen sich frisch verwenden oder für später haltbar machen.

Typische Möglichkeiten sind:

  • trocknen
  • als Tee verwenden
  • zu Sirup verarbeiten
  • mit anderen Früchten kombinieren
  • getrocknet bevorraten

Gerade darin liegt ein Teil des Reizes: Im Sommer wächst die Pflanze am Rankgerüst, im Spätsommer werden die roten Beeren geerntet und später steht vielleicht ein kleines Glas davon im Vorratsschrank.

Das ist keine Selbstversorgung in großen Mengen – aber eine dieser kleinen Besonderheiten, durch die ein Garten persönlicher wird.

Wenn du einen Teil deiner Ernte für den Vorrat aufbewahren möchtest, findest du im Beitrag Schisandra trocknen: Wu Wei Zi richtig haltbar machen eine ausführliche Anleitung zum Trocknen und Lagern.

Schisandra-Beeren trocknen

Zum Bevorraten lassen sich die Beeren gut trocknen.

Vorher solltest du beschädigte Früchte aussortieren, die Beeren vorsichtig reinigen und gut abtrocknen lassen.

Anschließend können sie beispielsweise im Dörrgerät schonend getrocknet werden.

Wichtig ist vor allem, dass die Früchte vollständig trocken sind, bevor sie luftdicht eingelagert werden. Restfeuchtigkeit kann später Schimmel begünstigen.

Kann man Schisandra vermehren?

Ja.

Möglich sind unter anderem:

  • Aussaat
  • Stecklinge aus jungen Trieben
  • halbreife Stecklinge

Für den Selbstversorgergarten ist besonders die Vermehrung über Stecklinge interessant, weil sich damit eine vorhandene Pflanze weitervermehren lässt.

Wenn du aus einer vorhandenen Pflanze weitere Exemplare ziehen möchtest, findest du im Beitrag Schisandra vermehren: Stecklinge und Aussaat später die einzelnen Methoden ausführlicher erklärt.

Traditionelle Verwendung von Wu Wei Zi

Wu Wei Zi besitzt in verschiedenen ostasiatischen Traditionen eine lange Geschichte.

Auf gesundheitliche Wirkungen möchte ich an dieser Stelle bewusst nicht näher eingehen. Bei traditionell genutzten Pflanzen sollte klar zwischen überlieferter Anwendung und wissenschaftlich beziehungsweise regulatorisch bewerteten Aussagen unterschieden werden.

Wer Schisandra gezielt aus gesundheitlichen Gründen verwenden möchte oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sich deshalb über geeignete Fachquellen oder medizinisch beziehungsweise pharmazeutisch beraten lassen.

Hinweis

Dieser Beitrag beschäftigt sich in erster Linie mit Anbau, Ernte und Verarbeitung von Schisandra. Er ersetzt keine medizinische Beratung und enthält keine Empfehlung zur Behandlung oder Vorbeugung von Erkrankungen.

Lohnt sich Schisandra für den Selbstversorgergarten?

Schisandra kann eine spannende Ergänzung für den Selbstversorgergarten sein. Allerdings nicht als klassische Ertragspflanze.

Wenn du möglichst viele Kilogramm Obst auf kleiner Fläche ernten möchtest, sind Johannisbeeren, Himbeeren oder andere klassische Beeren wahrscheinlich sinnvoller.

Schisandra ist vielmehr eine besondere Ergänzung für alle, die neben klassischen Nutzpflanzen auch etwas Ungewöhnlicheres im Garten anbauen möchten.

Sie passt gut in den Garten, wenn du:

  • ungewöhnliche essbare Pflanzen ausprobieren möchtest
  • ein Rankgerüst dauerhaft begrünen möchtest
  • eigene Früchte trocknen und bevorraten möchtest
  • deinen Garten um weniger bekannte Nutzpflanzen erweitern möchtest

Und genau darin liegt ihr Reiz.

Zwischen Gemüsebeeten, Obstbäumen und bekannten Beerensträuchern darf ruhig auch einmal eine Pflanze stehen, bei der Besucher fragen:

„Was wächst denn da?“

Ein paar Jahre später hängt vielleicht ein ganzes Rankgerüst voller roter Beerentrauben.

Fazit: Eine besondere Kletterpflanze für den Selbstversorgergarten

Schisandra ist keine klassische Beerenpflanze für möglichst große Erträge – dafür bringt sie etwas anderes in den Garten: Sie verbindet eine attraktive Kletterpflanze mit essbaren Früchten, lässt sich gut an Rankgerüsten integrieren und erweitert den Selbstversorgergarten um eine eher ungewöhnliche Nutzpflanze.

Wer einen passenden Standort, eine stabile Rankhilfe und etwas Geduld mitbringt, kann sich über viele Jahre an der Pflanze und ihren auffälligen roten Beerentrauben freuen. Gerade diese Mischung aus Nutzwert und Besonderheit macht Wu Wei Zi für mich zu einer spannenden Ergänzung im Garten.

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Häufige Fragen zu Schisandra

Ist Schisandra winterhart?

Ja. Schisandra gilt als winterhart und kann an geeigneten Standorten dauerhaft im Freiland wachsen. Junge Pflanzen profitieren in den ersten Wintern trotzdem von etwas Schutz im Wurzelbereich.

Kann Schisandra im Halbschatten wachsen?

Ja. Ein sonniger bis halbschattiger Standort eignet sich gut. Wichtig ist vor allem, dass der Boden nicht dauerhaft austrocknet. Ein gleichmäßig leicht feuchter, gut durchlässiger Boden bietet günstige Wachstumsbedingungen.

Braucht Schisandra eine Rankhilfe?

Ja. Die langen, windenden Triebe benötigen ein stabiles Rankgerüst, Spalier oder Drahtsystem. Damit kannst du die Kletterpflanze gezielt führen und ihre Entwicklung unterstützen.

Brauche ich zwei Schisandra-Pflanzen?

Das hängt von der Sorte ab. Manche Pflanzen benötigen einen passenden Bestäubungspartner, während andere Sorten als selbstfruchtbar angeboten werden. Achte deshalb beim Kauf auf die Angaben zur jeweiligen Sorte.

Kann man Schisandra-Beeren essen?

Ja. Die Früchte von Schisandra chinensis werden traditionell als Lebensmittel verwendet und verarbeitet. Ihr Geschmack ist deutlich säuerlich-herb und unterscheidet sich stark von klassischen Naschbeeren. Gesundheitliche Wirkungen lassen sich daraus nicht automatisch ableiten.

Kann man Schisandra-Beeren trocknen?

Ja. Schisandra-Beeren können schonend getrocknet werden. Wichtig ist, dass die Früchte vor dem Einlagern vollständig durchgetrocknet sind. Anschließend lassen sie sich in einem geeigneten, gut verschlossenen Behälter trocken, kühl und dunkel aufbewahren.

Wie groß wird Schisandra?

Schisandra ist eine mehrjährige Kletterpflanze, die an geeigneten Standorten mehrere Meter hoch werden kann. Mit einer stabilen Rankhilfe und gelegentlichem Rückschnitt lässt sie sich im Garten gut führen.

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