Wer einmal selbst gebackenes Sauerteigbrot in der Hand gehalten hat, warm, duftend und mit dieser leicht säuerlichen Note, der weiß: Das ist kein Brot aus dem Supermarkt. Das ist etwas Eigenes. Etwas, das lebt. Und der Ursprung davon ist ein kleines Glas mit Mehl und Wasser, das du selbst angesetzt hast.
Sauerteig ist eines der ältesten Triebmittel der Welt. Kein Päckchen Hefe, kein künstliches Backtriebmittel, sondern nur Mehl, Wasser, Zeit und ein wenig Aufmerksamkeit. Innerhalb von 5 bis 7 Tagen kann aus zwei einfachen Zutaten ein aktiver Starter entstehen, der dich beim Backen über viele Jahre begleiten kann. Dieses Grundrezept zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen ersten Sauerteigstarter ansetzt und worauf es ankommt, damit er wirklich aktiv und zuverlässig wird.


Sauerteig ist eine Mischung aus Mehl und Wasser, in der sich über mehrere Tage wilde Hefen und Milchsäurebakterien ansiedeln. Diese Mikroorganismen kommen von Natur aus im Mehl und in deiner Umgebung vor – du brauchst sie nicht einzukaufen. Du schaffst nur die Bedingungen, unter denen sie gedeihen.
Die wilden Hefen produzieren beim Fermentieren Kohlendioxid, das den Teig aufgehen lässt. Die Milchsäurebakterien erzeugen Milch- und Essigsäure. Das sorgt für die typische Säurenote und kann die Haltbarkeit des Brotes verbessern. Ein gut gepflegter Sauerteigstarter kann über viele Jahre aktiv bleiben. Manche werden sogar über Generationen hinweg weitergeführt.

Für Selbstversorger besonders wertvoll: Ein eigener Sauerteigstarter macht dich unabhängig von Hefe aus dem Laden. Solange du Mehl und Wasser hast, kannst du grundsätzlich jederzeit backen. Gerade in Ausnahmesituationen ist das ein echter Vorteil. Wie du Brot auch ohne Backofen und ohne Strom backen kannst, zeige ich dir hier: Brot ohne Strom backen.
Für einen Sauerteigstarter brauchst du erstaunlich wenig. Die Qualität der Zutaten spielt jedoch eine Rolle – je naturbelassener, desto mehr wilde Hefen und Bakterien bringt das Mehl mit.
Hinweis aus der Praxis:
Für das Ansetzen funktioniert Bio-Mehl oft zuverlässiger als stark verarbeitetes Mehl aus dem Discounter. Es enthält in der Regel mehr natürliche Mikroorganismen und weniger Rückstände, was die Entwicklung eines aktiven Sauerteigs erleichtern kann.

| Was | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Mehl | Roggenmehl Type 1150 oder Vollkornroggen | Roggen enthält mehr wilde Hefen als Weizenmehl – ideal zum Ansetzen. Später kannst du auf Weizen umsteigen. |
| Wasser | Lauwarmes Wasser, ca. 25–28 °C | Gefiltertes oder kurz abgestandenes Leitungswasser. Stark gechlortes Wasser kann die Aktivität hemmen. |
| Gefäß | Einmachglas (mind. 500 ml) | Glas lässt sich gut beobachten und enthält keine Fremdaromen. Kein luftdichter Verschluss – lose abdecken. |
| Löffel | Holz- oder Silikonlöffel | Metallbesteck kann die Mikroflora im Starter in manchen Fällen beeinflussen – Holz ist die sichere Wahl. |
| Waage | Küchenwaage (1g Auflösung) | Gleichmäßige Verhältnisse sind beim Füttern wichtig – auf Tasse und Schuss lieber verzichten. |
Tipp: Markiere den Füllstand deines Glases mit einem Gummiband oder einem Stück Klebeband. So siehst du auf einen Blick, ob und wie stark dein Starter in den letzten Stunden aufgegangen ist.
Das Ansetzen eines Sauerteigstarters dauert in der Regel 5 bis 7 Tage. In dieser Zeit wird die Mischung regelmäßig mit frischem Mehl und Wasser gefüttert. Der Prozess ist einfach – Geduld ist die einzige wirkliche Zutat, die du zusätzlich mitbringen musst.

Gib 50 g Roggenmehl und 50 g lauwarmes Wasser in dein Glas. Rühre gründlich um, bis keine trockenen Mehlreste mehr sichtbar sind. Decke das Glas locker ab (Küchentuch, Teller oder der aufgelegte – nicht eingedrehte – Deckel) und stelle es an einen warmen Ort: 24–28 °C sind ideal. Eine Stelle auf dem Kühlschrank, neben dem Herd oder an einem warmen Ort eignet sich gut.
Wichtig: Am ersten Tag passiert meist noch nicht viel Sichtbares – das ist normal. Die Mikroorganismen brauchen Zeit, um sich zu etablieren.
Wirf einen Blick ins Glas. Manche Starter zeigen bereits nach 24 Stunden erste kleine Bläschen – andere brauchen länger. Füttere heute noch nicht. Rühre einmal kurz um und decke wieder ab.
Jetzt wird erstmals gefüttert. Nimm 50 g des bestehenden Starters ab (den Rest kannst du wegwerfen oder für Pfannkuchen, Cracker oder andere Rezepte verwenden). Zum abgenommenen Starter gibst du 50 g frisches Roggenmehl und 50 g lauwarmes Wasser, rührst alles gut durch und lässt es wieder bei Raumtemperatur stehen.
Warum abnehmen? Das sogenannte „Discard“ verhindert, dass sich Stoffwechselprodukte der Fermentation ansammeln und das Gleichgewicht im Starter gestört wird. Es hält den Starter frisch und gibt den Hefen ausreichend Nahrung.
Wiederhole täglich das gleiche Schema: 50 g Starter behalten, Rest abnehmen, mit 50 g Mehl + 50 g Wasser auffüttern. Ab Tag 4 sollten sich deutliche Aktivitätszeichen zeigen: Der Starter riecht säuerlich-hefig (manchmal auch kurz nach Nagellackentferner – das entsteht häufig, wenn der Starter zu wenig Futter bekommt und ist in der Ansetzphase normal), zeigt Bläschen und steigt nach dem Füttern spürbar an.
Ein reifer Starter verdoppelt sein Volumen in der Regel innerhalb von etwa 4–8 Stunden nach dem Füttern und fällt danach wieder zusammen. Wenn du dieses Muster erkennst und der Starter deutlich nach Hefe und Säure riecht, ist er bereit zum Backen. Der ideale Zeitpunkt für die erste Verwendung ist genau dann, wenn er seinen Höchststand erreicht hat – kurz bevor er wieder zu fallen beginnt.
| Tag | Aktion | Erwartung |
|---|---|---|
| 1 | 50g Mehl + 50g Wasser mischen | Wenig bis keine Aktivität |
| 2 | Beobachten, umrühren | Erste zarte Bläschen möglich |
| 3 | Erste Fütterung (50g Starter + 50g Mehl + 50g Wasser) | Deutlichere Bläschenbildung |
| 4–5 | Tägliche Fütterung wiederholen | Starter geht sichtbar auf, säuerlicher Geruch |
| 6–7 | Tägliche Fütterung, Aktivitätstests | Verdoppelung des Volumens, Starter backfertig |
Bevor du deinen Starter zum Backen verwendest, kannst du den klassischen Schwimmtest machen: Gib einen kleinen Löffel Starter in ein Glas Wasser. Schwimmt er oben, ist das ein Hinweis auf Aktivität. Entscheidend ist jedoch, dass sich der Starter nach dem Füttern innerhalb von 4–8 Stunden deutlich vergrößert. Sinkt er, braucht er noch Zeit oder eine weitere Fütterungsrunde.
Weitere Zeichen für einen reifen Starter:
Selbstversorger-Gefühl: Den Moment, wenn dein Starter zum ersten Mal wirklich aufgeht – wenn sich das Volumen verdoppelt und das Glas nach frischer Hefe und Roggen duftet – den vergisst du nicht. Du hast etwas Lebendiges erschaffen. Etwas, das aus deiner Küche, deiner Luft, deinem Mehl entstanden ist.

Zu kalte Umgebung: Unter 20 °C verlangsamt sich die Fermentation erheblich. Der Starter wirkt inaktiv, obwohl er grundsätzlich funktioniert. Stelle ihn wärmer oder verlängere einfach die Wartezeit.
Zu viel auf einmal füttern: Wer täglich große Mengen Mehl hinzugibt, ohne den Starter vorher abzunehmen, verdünnt die aktiven Mikroorganismen zu stark. Das Verhältnis stimmt dann nicht mehr – zu wenig aktive Kulturen, zu viel Nahrung, kaum Aktivität.
Ungeduld: Manche Starter brauchen 8–10 Tage, bis sie wirklich zuverlässig aktiv sind – besonders in kühleren Küchen oder mit stark raffiniertem Mehl. Kein Grund zur Sorge, solange kein Schimmel sichtbar ist.
Schimmel vs. Kahmhefe: Eine dünne, weiße oder gräuliche Schicht auf der Oberfläche ist oft Kahmhefe (harmlos, kann aber den Geschmack beeinflussen und lässt sich einfach abschöpfen). Echter Schimmel ist in der Regel flaumig und kann bunt sein – grün, schwarz oder rosa. Bei echtem Schimmel sollte der Starter verworfen und neu angesetzt werden.
Ein aktiver Starter, mit dem du regelmäßig backst, kann bei Raumtemperatur gelagert und täglich oder alle ein bis zwei Tage gefüttert werden. Wer seltener bäckt, stellt den Starter einfach in den Kühlschrank. Im Kühlschrank reicht es in der Regel, ihn einmal pro Woche zu füttern – er verlangsamt sich, bleibt aber am Leben.
Vor dem Backen nimmst du den Starter aus dem Kühlschrank, lässt ihn bei Raumtemperatur auf Temperatur kommen und fütterst ihn einmal durch. Nach 4–8 Stunden, wenn er seinen Höhepunkt erreicht, ist er backbereit.
Viele Selbstversorger berichten, dass sie ihren Starter seit Jahren führen – manche haben ihn nach einer langen Pause aus dem Kühlschrank geholt und mit zwei bis drei Auffrischungen wieder vollständig reaktiviert. In der Praxis zeigt sich: Ein gut gepflegter Starter ist erstaunlich widerstandsfähig.
Tipp: Trockne einen Teil deines aktiven Starters: Streiche eine dünne Schicht auf Backpapier, lass sie vollständig an der Luft trocknen und breche die Stücke dann in ein Schraubglas. Dieser Trocken-Starter kann sich über lange Zeit halten und ist dein Versicherungsschutz, falls der aktive Starter einmal verloren gehen sollte.
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Ja, das ist möglich. Roggenmehl bietet besonders gute Bedingungen für die Entwicklung eines aktiven Starters und eignet sich daher besonders gut zum Ansetzen. Wer einen reinen Weizenstarter möchte, kann nach der aktiven Ansetzphase schrittweise auf Weizenmehl umsteigen – oder von Anfang an mit Weizenvollkornmehl arbeiten, das ähnlich aktiv wie Roggen sein kann.
In der Regel 5 bis 7 Tage, je nach Raumtemperatur und Mehlqualität. In kälteren Küchen kann es auch 8–10 Tage dauern. Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern das Verhalten des Starters: Er ist bereit, wenn er sich nach dem Füttern zuverlässig verdoppelt und angenehm säuerlich riecht.
Bei Raumtemperaturlagerung ja – täglich oder alle zwei Tage. Im Kühlschrank reicht in der Regel eine Fütterung pro Woche. Für gelegentliches Backen ist die Kühlschranklagerung die entspannteste Variante.
Der Discard enthält noch aktive Kulturen und eignet sich hervorragend für Pfannkuchen, Cracker, Waffeln oder als Geschmacksgeber in Brotrezepten. Viele Selbstversorger sammeln den Discard eine Woche lang im Kühlschrank und backen am Wochenende damit.
Ein aktiver Starter kann recht kräftig riechen – säuerlich, hefig, manchmal auch nach Alkohol oder Nagellackentferner (das ist Essigsäure und vollkommen normal, besonders wenn er längere Zeit nicht gefüttert wurde). Solange kein Schimmel sichtbar ist und der Geruch nicht unangenehm faulig wirkt, ist in der Regel alles in Ordnung. Nach einer Fütterung gleicht sich der Geruch in der Regel aus.
In der Praxis berichten viele Bäcker, dass kurzer Kontakt mit Edelstahlbesteck keinen messbaren Einfluss hat. Dennoch gilt unter erfahrenen Sauerteigbäckern der Grundsatz, Holz- oder Silikonlöffel zu bevorzugen – besonders in der Ansetzphase, wenn die Mikroflora noch empfindlich ist.
Mehl, Wasser und Zeit: Das ist die Grundlage.
Wer einmal sein eigenes Brot aus selbst angesetztem Sauerteig gebacken hat – mit diesem unverkennbaren Duft aus dem Ofen, der Kruste, die beim Anschnitt knackt, dem Gedanken: Das habe ich komplett selbst gemacht – der backt selten wieder anders. Ein voller Brotkasten aus eigener Hand ist eines der befriedigendsten Gefühle in der Selbstversorgung.
Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle Beratung. Angaben zu Verarbeitungszeiten, Temperaturen und Ergebnissen sind Erfahrungswerte und können je nach Mehlsorte, Raumtemperatur und individuellen Bedingungen variieren. Die Nutzung der beschriebenen Methoden erfolgt auf eigene Verantwortung. Bei Unsicherheiten – insbesondere im Umgang mit fermentierten Lebensmitteln – empfiehlt sich die Rücksprache mit Fachleuten. Der Autor übernimmt keine Haftung für etwaige Schäden, die aus der Anwendung der hier beschriebenen Methoden entstehen können.