Der Himmel färbt sich am Abend kräftig orange oder rot und sofort fällt vielen die alte Bauernregel ein: „Abendrot, Schönwettbot.“ Tatsächlich steckt hinter dieser Beobachtung mehr als nur Volksglaube. Unter bestimmten Wetterlagen kann Abendrot einen Hinweis auf das Wetter des nächsten Tages geben.

Warum wird der Himmel abends rot?
Wenn die Sonne tief über dem Horizont steht, legt ihr Licht einen besonders langen Weg durch die Atmosphäre zurück. Dabei werden die kurzwelligen blauen Lichtanteile stärker gestreut. Rote und orangefarbene Anteile erreichen unser Auge dagegen eher direkt – der Himmel erscheint rötlich.
Wie intensiv ein Sonnenuntergang leuchtet, hängt unter anderem von Wolken, Feuchtigkeit und Schwebteilchen in der Atmosphäre ab. Ein besonders kräftiges Abendrot bedeutet deshalb nicht automatisch schönes Wetter.

Warum kann Abendrot trotzdem ein Wetterzeichen sein?
In Mitteleuropa ziehen viele Wettersysteme von Westen nach Osten.
Ist der westliche Himmel am Abend weitgehend frei und kann die untergehende Sonne Wolken von unten anstrahlen, kann das darauf hindeuten, dass sich westlich des eigenen Standorts trockenere oder stabilere Wetterverhältnisse befinden.
Ziehen diese mit der vorherrschenden Strömung weiter nach Osten, kann am folgenden Tag tatsächlich ruhigeres Wetter folgen.
Daher kommt der wahre Kern der alten Regel:
„Abendrot, Schönwettbot.“
Sie funktioniert allerdings nur unter passenden Wetterbedingungen und ist keine sichere Vorhersage.
Und was bedeutet Morgenrot?
Auch die bekannte Fortsetzung „Morgenrot, Schlechtwetterbot“ hat einen meteorologischen Hintergrund.
Zeigt sich morgens im Osten ein rötlicher Himmel, während sich von Westen bereits Wolken oder ein Wetterwechsel nähert, kann dies bei einer typischen Westwetterlage auf unbeständigeres Wetter hinweisen.
Auch hier gilt: Morgenrot allein beweist nicht, dass Regen kommt.

Wie zuverlässig ist die Bauernregel?
Abendrot ist am besten als Naturbeobachtung und zusätzlicher Hinweis zu verstehen.
Ob sich das Wetter tatsächlich verändert, hängt unter anderem von der aktuellen Großwetterlage, der Windrichtung und regionalen Gegebenheiten ab.
Wer regelmäßig Himmel, Wolken und Wind beobachtet, entwickelt mit der Zeit trotzdem ein erstaunlich gutes Gespür für das Wetter am eigenen Standort.
Fazit
Die Bauernregel „Abendrot, Schönwettbot“ ist kein reiner Aberglaube. Hinter ihr steckt eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Sonnenlicht, Atmosphäre und den in Mitteleuropa häufigen Westwetterlagen.
Eine Garantie für schönes Wetter liefert ein roter Abendhimmel aber nicht. Am schönsten ist die Regel deshalb genau als das, was sie ursprünglich war: eine aufmerksam beobachtete Erfahrung aus der Natur.
Hinweis: Naturzeichen und Bauernregeln können eine Wettervorhersage ergänzen, sie aber nicht ersetzen. Bei Sturm, Gewitter oder anderen sicherheitsrelevanten Wetterlagen sollten aktuelle amtliche Wetterwarnungen beachtet werden.
