Chicorée selber treiben: So erntest du im Winter frischen Salat aus der Wurzel

Wenn der Garten im Herbst langsam ruhiger wird, beginnt bei Chicorée erst der spannendste Teil. Aus einer kräftigen Wurzel wächst im Dunkeln innerhalb weniger Wochen ein heller, knackiger Salatkopf.

Gerade deshalb ist Chicorée für Selbstversorger interessant. Die Pflanze wächst über den Sommer im Beet, wird im Herbst ausgegraben und später im Keller, Nebenraum oder einer frostfreien Garage zum Austreiben gebracht.

Viel Technik brauchst du dafür nicht. Wichtig sind vor allem kräftige Wurzeln, Dunkelheit, die richtige Temperatur und etwas Geduld.

Chicorée selber treiben – Gärtner mit Chicorée-Wurzeln und hellen Chicorée-Köpfen bei der Winterernte
Schnellübersicht

Aussaat: Mai bis Juni
Wurzelernte: Oktober bis November
Geeignet: kräftige Wurzeln von Treib-Chicorée
Treibtemperatur: etwa 10 bis 15 °C
Standort: dunkel und frostfrei
Ernte: meist nach etwa 3 bis 4 Wochen

Was passiert beim Chicorée-Treiben?

Beim Treiben nutzt du die Speicherwurzel, die sich während des Sommers im Boden gebildet hat.

Nach dem Ausgraben wird sie erneut eingesetzt und möglichst vollständig dunkel gestellt. Aus dem oberen Bereich der Wurzel wächst dann ein neuer, heller Spross – der typische Chicorée-Kopf.

Auch im professionellen Anbau wird Chicorée in Dunkelheit getrieben. Das ist wichtig, weil die Blätter ohne Licht hell bleiben. Bei Lichteinfall bilden sie Chlorophyll, werden zunehmend grün und schmecken meist bitterer.

Wow-Fakt: Der eigentliche Chicorée-Kopf wächst nicht im Sommerbeet. Die Pflanze bildet zuerst eine kräftige Wurzel und nutzt deren Reserven später für den neuen Spross im Winter.

Welche Sorte eignet sich zum Treiben?

Zum Treiben brauchst du speziellen Treib-Chicorée.

Geeignet sind vor allem Sorten aus dem sogenannten Witloof-Typ. Beim Saatgut findest du deshalb häufig Bezeichnungen wie:

  • Treib-Chicorée
  • Belgischer Chicorée
  • Witloof

Radicchio und Zuckerhut gehören zwar ebenfalls zu den Zichorien, werden aber anders angebaut und normalerweise nicht auf diese Weise getrieben.

Wenn du Chicorée gezielt für die Winterernte anbauen möchtest, solltest du also schon beim Saatgut auf eine geeignete Treibsorte achten.

Wenn du deine Winterernte noch breiter planen möchtest, findest du in Wintergemüse anbauen: Diese Sorten kannst du in der kalten Jahreszeit ernten weitere passende Kulturen für Herbst und Winter. (folgt bald)

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Wann werden die Wurzeln geerntet?

Die Wurzeln werden im Herbst ausgegraben. Ein guter Zeitraum dafür liegt im Oktober und November.

Verwende möglichst nur kräftige, gesunde Wurzeln mit einem gut entwickelten Wurzelkopf. Sehr kleine Exemplare bilden später meist entsprechend kleinere Köpfe.

Wie du anderes Gemüse nach der Ernte möglichst lange frisch hältst, zeige ich dir in meinem Beitrag Gemüse richtig lagern: So hält deine Ernte länger.

Chicorée treiben in 6 Schritten

Der Ablauf ist einfacher, als es zunächst klingt:

  1. Treib-Chicorée im Mai oder Juni aussäen.
  2. Kräftige Wurzeln im Herbst vorsichtig ausgraben.
  3. Das Blattwerk auf etwa 2 bis 3 Zentimeter kürzen.
  4. Die Wurzeln dicht nebeneinander in feuchtes Substrat setzen.
  5. Den Behälter vollständig dunkel und frostfrei aufstellen.
  6. Nach einigen Wochen die hellen Köpfe ernten.
Chicorée selber treiben in 6 Schritten – Infografik von der Aussaat über die Wurzelernte bis zur Ernte im Winter
Tipp: Treibe nicht alle Wurzeln gleichzeitig an. Wenn du immer nur einige davon verwendest und den Rest kühl lagerst, kannst du die Chicorée-Ernte über mehrere Wochen verteilen.

Dunkelheit, Temperatur und Feuchtigkeit

Drei Dinge entscheiden besonders darüber, ob das Treiben gelingt.

Dunkelheit

Der Standort sollte möglichst vollständig dunkel sein.

Ein Kellerraum allein reicht deshalb nicht immer aus. Wird dort regelmäßig das Licht eingeschaltet, ist eine zusätzliche Abdeckung sinnvoll.

Ein umgedrehter Eimer, ein großer Topf oder eine andere lichtundurchlässige Haube funktioniert dafür gut.

Temperatur

Für den Hausgarten sind ungefähr 10 bis 15 °C gut geeignet. Bei dieser Temperatur können sich die hellen Sprosse innerhalb weniger Wochen entwickeln.

Geeignete Orte sind zum Beispiel:

  • Keller
  • frostfreie Garage
  • Vorratsraum
  • kühler Nebenraum

Chicorée ist nur eine Möglichkeit, auch in der kalten Jahreszeit frisches Grün zu ernten. Weitere geeignete Arten stelle ich dir in Wintersalat anbauen: Die besten Sorten für Herbst und Winter vor. (folgt bald)

Feuchtigkeit

Das Substrat sollte leicht feucht bleiben, aber niemals nass sein.

Staunässe kann dazu führen, dass die Wurzeln weich werden oder faulen. Kontrolliere deshalb lieber regelmäßig und gieße nur sparsam nach.

Häufige Fehler beim Chicorée-Treiben

Die meisten Probleme entstehen durch wenige typische Fehler.

Zu viel Licht führt dazu, dass die Blätter grün werden. Zu viel Nässe kann Fäulnis verursachen. Ein sehr kalter Standort verlangsamt das Wachstum und zu kleine Wurzeln bilden oft entsprechend kleine Köpfe.

Chicorée selber treiben – Infografik zu idealen Bedingungen, häufigen Fehlern, geeigneten Standorten und Erntezeit
Wichtig: Kontrolliere die Wurzeln während des Treibens regelmäßig. Weiche, faulige oder stark beschädigte Exemplare solltest du entfernen.

Wann ist Chicorée erntereif?

Unter guten Bedingungen dauert das Treiben ungefähr drei bis vier Wochen.

Als Orientierung kannst du den Chicorée ernten, wenn der Kopf etwa 15 Zentimeter hoch, hell und kompakt ist.

Ein erntereifer Chicorée-Kopf sollte:

  • hellgelb bis cremeweiß
  • kompakt
  • fest
  • knackig

sein.

Schneide den Kopf knapp oberhalb der Wurzel ab.

Manchmal bildet die Wurzel anschließend noch einen zweiten, kleineren Spross. Eine kleine zweite Ernte ist also möglich.

Chicorée in der Küche verwenden

Frisch geernteter Chicorée lässt sich roh oder gegart verwenden.

Gut passen zum Beispiel Apfel, Birne, Orange, Walnüsse oder ein mildes Honig-Senf-Dressing dazu.

Du kannst die Köpfe aber auch halbieren und kurz anbraten, schmoren oder überbacken. Durch das Garen wird die typische Bitternote meist etwas milder.

Praxis-Einordnung: Im professionellen Chicorée-Anbau werden die Wurzeln heute meist in speziellen Treibsystemen kultiviert. Für den Hausgarten ist das traditionelle Treiben in feuchtem Substrat deutlich einfacher und wird weiterhin von gärtnerischen Fachstellen beschrieben.

Fazit

Chicorée selber zu treiben ist ein schönes kleines Winterprojekt für Selbstversorger.

Im Sommer wächst zunächst die Wurzel im Beet. Im Herbst wird sie ausgegraben. Und wenige Wochen später kannst du daraus mitten im Winter frischen Chicorée ernten.

Du brauchst dafür keine komplizierte Technik. Kräftige Wurzeln, Dunkelheit, ein frostfreier Standort und etwas Geduld reichen aus.

Gerade weil das Treiben von Chicorée im eigenen Haushalt heute eher ungewöhnlich wirkt, ist es eine spannende Möglichkeit, die eigene Ernte über den Sommer hinaus zu verlängern.

Wenn dich alte und heute kaum noch genutzte Methoden für die Winterernte interessieren, passt dazu auch Winter-Kopfsalat wie früher anbauen: Alte Sorten und historische Methode. (folgt bald)

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Obst und Gemüse rund ums Jahr ernten – Hinweise zur Chicorée-Wurzelernte im Oktober/November und zum Treiben im Winter. Quelle beim BZL öffnen
  • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Wie wird Chicorée angebaut? – Informationen zu Dunkelheit, Temperaturen und dem professionellen Treibverfahren. Quelle beim BZL öffnen
  • Royal Horticultural Society (RHS): How to grow chicory – Angaben zu Treibsorten, Wurzelgröße, Temperatur, Lagerung und Ernte. Quelle bei der RHS öffnen

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